Ich erinnere mich noch gut an die letzten Jahre vor meinem ersten Niederschlag.

Der ständige Stress, die Verantwortung, die der Job mit sich brachte, und der Mangel an Anerkennung daraus hinterließen Spuren in meinem Selbstbewusstsein. Ich war immer schneller und immer öfter erschöpft, fand keinen Sinn mehr in meiner Arbeit und irgendwann auch keinen mehr in der Ausrichtung meines Lebens.

Sobald Zweifel oder Ängste aufkamen, wurden diese aber von den antrainierten Gedankenmustern überlagert.

Ich wollte, ich musste funktionieren. „Steh deinen Mann!“ und „Für Geld musst du hart arbeiten!“ waren Leitsätze, die ich bis dahin unhinterfragt mit mir herumtrug. Und ich entdeckte später noch viele ähnliche Gedanken.

„Wenn der Kopf etwas nicht versteht, spricht der Körper zu dir.“ (Patrick Michael Kelly)

Und meiner hat zu mir gesprochen. Deutlich. Aber in einer Sprache, die ich erst lernen musste.

Mit Symptomen, die (fast) jeder Mensch irgendwann hat und die deshalb auch so unscheinbar daherkommen.

Erst Bronchitis, später Lungenentzündung – bis zu 4 x im Jahr. Ja, eh klar. Raucher halt.

Schlafentzug – ich schlief nur schwer ein und konnte auch kaum durchschlafen. Kann passieren, haben andere auch.

Depressive Stimmungen – ach, diese dunklen Gedanken werden schon wieder weggehen. Ist nur ein schlechter Tag.
Null Belastbarkeit – nur ein weiterer schlechter Tag. Hatte ja auch schlecht geschlafen. Kein Wunder also.

 

Alles, was sich einmal auf der körperlichen Ebene manifestiert hat, trägst du wahrscheinlich so wie ich zu deinem Hausarzt. Und das ist gut so. Nur kann der nicht Gedanken lesen. Blöderweise.

Und so behandelte mich meiner nach allen Regeln der Schulmedizin immer in Bezug auf meine Symptome. Das heißt: Tabletten, Tabletten und andere Tabletten, die die ersten Tabletten überhaupt verträglich machten.

Der Apotheker meines Vertrauens begrüßte mich schon mit Handschlag bei der Tür, wenn ich wieder mal chemisch auftanken musste. Mein von Haus aus nicht grad unempfindlicher Magen war gänzlich außer Tritt und mein seelischer Zustand glich einem Trümmerfeld.

STOPP! Da stimmt was nicht!

Sich selbst einzugestehen, dass man eben nicht nur Schlafprobleme oder schlechte Tage oder Bronchitis hat, bedarf Mut.

Im Jahr 2000 war BurnOut noch nicht so im öffentlichen Bewusstsein verankert wie heute und sowieso eine reine Managerkrankheit. Im Zweifelsfall warst du halt nur ein Weichei oder Simulant.

Gott sei Dank ist das heute nicht mehr so und die Hemmschwelle, auch psychische Probleme beim Arzt anzusprechen, ist stark gesunken.

Der erste Schritt in deine Gesundheit ist, so banal es klingen mag, anzuerkennen, dass etwas nicht stimmt.

Ich kenne viele Menschen, die scheinbar harmlose Symptome jahrelang mit sich herumtragen, immer in der Verniedlichung verhaftet und darauf bedacht, nur nicht einen Elefanten aus der Mücke zu machen.

Dass die Mücke schon lang ein Nashorn und der Schritt zu einem Elefanten nur ein ganz kleiner ist, wird ihnen erst später schmerzhaft bewusst.
Dabei ist Heilung viel einfacher möglich, wenn man möglichst früh damit beginnt!

Wenn du also über einen längeren Zeitraum scheinbar harmlose Symptome mit dir trägst, solltest du dir die mal genauer anschauen.  Denn der Weg in ein Burn-out ist unscheinbar und kann leicht übersehen werden.

Solange du dir selbst nicht zugestehst dass etwas aus dem Lot ist, wirst du auch keine Motivation entwickeln, etwas für dich zu tun.

 

Alles Liebe,

Wolfgang

Was mir geholfen hat:
  • Ich hab meinem Arzt von den Konflikten erzählt, die ich mit mir herumgetragen habe. Damit konnte er meine Symptome und Beschwerden in einen größeren Kontext einordnen. Das war wichtig, denn wie ich feststellte, konnte er nicht Gedankenlesen.
  • Eine gute Flasche Rotwein gemeinsam mit meiner Partnerin oder einem Freund/einer Freundin hat manchmal Wunder bewirkt. Ich hab das Glück, dass die wichtigen Menschen in meinem Leben ZUHÖREN können und mir ihre Aufmerksamkeit schenken, ohne zu bewerten oder zu interpretieren.
  • Ich nahm mir Zeit für mich! Jede Minute davon war Gold wert! In Ruhe in mich hineinzuhören und meine innere Stimme wahrzunehmen hat mich definitiv jedesmal ein Stück weiter gebracht.
  • Manchmal kommen mit beim intuitiven Schreiben die besten Ideen. Ich hab das Gefühl, als würden meine Gedanken sich dann anders ordnen und zu anderen Ergebnissen führen als wenn ich nur darüber nachdenken. Schreiben hilft, klarer zu sehen!

Vor allem aber: Ich habe mir zugestanden, nicht unsterblich, perfekt und immer funktionstüchtig sein zu müssen!

Denn ich bin ein Mensch, also unperfekt (und darin liegt auch unsere Herrlichkeit), emotional und ein Produkt meiner Vergangenheit. Angereichert mit Assoziationen und mentalen Verbindungen, die nur ich so in mir trage!

Ich habe es in der Hand. Niemand sonst.

War dieser Artikel hilfreich für dich? Wenn du Lust auf mehr bekommen hast, melde dich zum Newsletter an!

Zum Newsletter anmelden