Gedächtnisprotokoll einer Meditation

 

Trainer: Lieber Wolfgang, schön, dass du wieder mal Zeit hast zum Plaudern.

Ich: Hey Trainer! Ja, find ich auch. Schön, dass du mal wieder Zeit hast dafür.

Trainer: Scherzkeks. Ich bin immer bei dir und hör dir zu.

Ich: Ja, eh. Danke.

Trainer: Was liegt dir am Herzen? Worüber möchtest du plaudern?

Ich: Das weißt du wahrscheinlich eh schon. Irgendwie häng ich schon wieder. Hab das Gefühl, das zu wenig weitergeht, ständig kommen Hürden und Herausforderungen auf mich zu und der Terminplan für das neue Projekt steht wieder mal stabil wie ein Kartenhaus im Wind.

Trainer: Du hast einen Plan gemacht.

Ich: Ja. Und?

Trainer: Pläne sind da, um geändert zu werden.

Ich: Ach. Ganz was Neues.

Trainer: Versteh mich richtig. Pläne sind gut. Sie helfen dir, dich zu strukturieren, deine Arbeitsabläufe und To-dos übersichtlich zu ordnen, sodass du am Ende nichts vergisst. Sie sind vor allem wichtig für deinen Verstand, der sich in solchen Strukturen wohlfühlt und Ruhe finden kann. Aber Pläne sind von Menschen gemacht und sollten immer so flexibel sein, dass Änderungen und Synchronizitäten einfließen können. Hast du einen Plan B?

Ich: Ja. Hab ja gelernt aus meinen Fehlern.

Trainer: Und warum machst du dann Stress?

Ich: Es geht mir halt alles zu langsam. Ich bin am Tun und Werken und wäre gern schon am Ziel. Im Kopf ist alles fertig, doch die Realität hinkt hinten nach.

Trainer: Mach eine Pause!

Ich: Jetzt? Ich bin ja schon am Meditieren! Ist das nicht Pause genug? Und wieso Pause machen, wenn alles zu langsam geht? Ist doch doof!

Trainer: Nicht mal annähernd. Geh eine Runde um deinen Hausberg, das bringt dich auf andere Gedanken, lässt dich Abstand gewinnen und wieder frei atmen.

Ich: Es regnet.

Trainer: Nicht mehr lange.

Ich: Aha. Na dann. Viel wichtiger aber ist, was kann ich noch tun, damit ich vorankomme?

Trainer: Sag ich ja schon. Eine Runde um den Hausberg gehen.

Ich: Okay. So komm ich nicht weiter. Im Ernst jetzt! Hilf mir!

Trainer: Hau dich in die Hängematte. Leg dir eine Klangwelten-CD ein. Ruh dich aus.

Ich: Du verstehst nicht …

Trainer: Doch, nur zu gut.

Ich: Du hast echt keine Ahnung.

Trainer: Genau das Gegenteil ist der Fall. Du hast grad keine Vorstellung davon, wie das Leben arbeitet. Neue Ideen können dich nur erreichen, wenn dein geistiges System auf Stand-by ist. Wandern hilft. Oder Rasenmähen. Oder Ausruhen. Du beschäftigst dich selbst mit Prioritäten zweiter Ordnung und lässt keinen Raum für deine Intuition. Wie soll ich dich da erreichen? Du weißt, meine Stimme ist nur leise. Und du schreist ohne Unterbrechung.

Ich: Oh …

Trainer: Du bist schon wieder auf bestem Wege, dich emotional zu sehr an deine geistigen Ergüsse zu hängen. Kannst du dich noch erinnern, wann das das letzte Mal passiert ist?

Ich: Shit. Ja, leider nur zu gut. War nicht super.

Trainer: Was wär dann also ein guter nächster Schritt?

Ich: Wandern gehen?

Trainer: Guter Junge. Übrigens, es hat aufgehört zu regnen.

Ich: Tatsächlich?

Trainer: Wenn du gehst, geb ich dir noch ein kleines Mantra mit. „Das Leben ist schön und ich bin im Fluss des Lebens. Alles kommt zur rechten Zeit zu mir.“

Ich: Ok, danke. Dann geh ich mal.

Trainer: Ja, fein.

Ich: Sonst noch was?

Trainer: Nö. Nicht jetzt.

Ich: Okay. Wir hören uns wieder.

Trainer: Ich bin immer bei dir.

 

Anmerkung: Bei der anschließenden zweistündigen Wanderung um meinen Hausberg poppten neue Wege und Ideen auf, die sich nahtlos in mein Projekt einfügten. Am Ende begegnete ich noch meinem Nachbarn und wir nahmen uns Zeit für einen gemütlichen Plausch und einen kalten Hopfentee. Manchmal ist eine Pause das kreativste, was ich tun kann. Das Leben ist schön!

 

Alles Liebe,

Wolfgang

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