Gestern gab es bei uns Spaghetti. Also genauer gesagt, hatten wir einen Topf voll Nudeln und drei verschiedene Saucen. Meine Frau isst nur noch vegetarisch, und das schon seit einigen Jahren. Es geht ihr gut damit und dieses Bedürfnis findet natürlich Eingang in die tägliche Kochpraxis. Die Kleine mag aktuell keine Zwiebel, egal ob roh, angeschwitzt oder gegrillt. Weil das aussortieren der kleinen Zwiebelstücke aus der Sauce so umständlich ist, bekommt sie — eh klar — einen eigenen Topf, ihre ganz persönliche Variante. Und für mich gab es den Klassiker Bolognese, natürlich ohne Parmesan.

Die einzige ökonomische Näherungsweise ist dann, pro Version gleich mehr zu machen und Teile davon einzufrieren. Sonst wirst du echt wahnsinnig beim Kochen.

Als ich noch Jugendlicher und kaum zu ernähren war, hatte man zum Thema Essen ein völlig anderes Verständnis. Da gab es nur eine richtige Philosophie und alles andere war ungesund bis grob fahrlässig.

Dabei hatte ich ein sehr gutes und auch klares Gefühl dafür, was mir guttat und was nicht. Einzig meine Eltern hatten damit ein Problem, denn mein selbst gewählter Ernährungsplan war relativ eintönig und brachte meine Mutter meist an den Rand eines Weinkrampfes. Dabei war ich mir aber so sicher, dass ich andere Sachen gar nicht erst kostete. Was die falsche Farbe oder komisch gerochen hatte, war unten durch. Und generell, wenn wir irgendwo zu Besuch waren, brachte ich keinen Bissen runter. Das endete in meiner charmanten Art mit dem Satz „Danke, wir haben eh zu Hause was zu Essen.“

Tja und heute sitzt mir unsere Tochter gegenüber und verschmäht Zwiebeln.

Weißt du, was damit alles flachfällt? Ich will gar nicht dran denken. Dennoch akzeptiere ich das. Gerade Kinder haben ein gutes Gefühl dafür, was ihnen guttut.

Was die falsche Ernährung für Folgen haben kann, habe ich am eigenen Leib erfahren:

Es war gegen Ende des letzten Jahrtausends, als meine Nebenhöhlen verstopften und keine wie auch immer geartete schulmedizinische Therapie dagegen etwas machen konnte.

Zu der Zeit war ich noch mit meiner Band aktiv unterwegs, wir hatten gerade das zweite Album rausgebracht und wollten durchstarten. Aber mit einem vollen Kopf ist auch schlecht singen und so wurde jeder Auftritt zur Qual. Von Gesangstechnik war mir damals noch nicht viel bekannt und die einzige Möglichkeit, zu Resonanzräumen zu kommen, bestand darin, Nasentropfen einzunehmen.

Selbst die Operation der Nasenscheidewand brachte keinerlei Verbesserung, die Schulmedizin hatte keinen brauchbaren Ansatz mehr.

Meine Suche nach alternativen Lösungen führte mich zu einer Kinesiologin, die in einer einzigen Sitzung feststellte, dass ich auf Kuhmilch (Milcheiweiß) allergisch war und doch diese mal weglassen sollte. Keine weitere Sitzung, keine weiteren Kosten, nichts, was ich machen musste. Nur etwas weglassen.

Erst mal hat es mich vom Hocker gehauen, als ich feststellte, wo Milcheiweiß überall drin ist. Praktisch in jedem Halb- und Fertigprodukt, Schokolade, Gebäck, und noch vieles mehr. Schlagobers, Rahm, Milch, Käse, alles, was in diese Liste fällt, war und ist nach wie vor verboten für mich. Das alles wegzulassen, war am Anfang hart. Echt hart.

Aber weißt du was passierte?

Nach nicht mal drei Wochen war meine Nase frei. Alles weg.

Das, was mich schon mehr als zwei Jahre lang sekkierte, was meine Lebensqualität so nachhaltig beschnitt, war wie weggeblasen.

Da wurde mir das erste Mal wirklich bewusst, dass es nicht egal war, was ich zu mir nahm.

Seitdem achte ich darauf, wie mein Körper auf Essen reagiert. Und das kann sich verändern.

Heute ist mein Menüplan nicht mehr so eindimensional wie damals. Überhaupt hat sich der vegetarische Gedanke in meinem Leben breitgemacht. Nicht nur durch meine Frau, die seit einigen Jahren danach lebt, sondern auch durch meine Freunde, die teilweise praktisch von Geburt an kein Fleisch aßen. Und das sind allesamt keine schmächtigen Gestalten, sondern eher Henker und ausdauernd. Und besonders ein Freund von mir kocht wie ein kleiner Gott.

Aus diesem Grund überlege ich, zum Thema vegetarisch kochen einen Videoblog zu machen. Keine Angst, nicht mit mir. Sondern mit einem dieser alten Freunde, einer der besten und nachhaltigsten Köche, die ich kenne. Ganzheitlich und von Grund auf alles selbst machen. Das ist seine Devise.

Die nächsten ein, zwei Wochen hörst du mehr dazu.

Bis dahin, bleib achtsam beim Essen,

alles Liebe,

Wolfgang

Was ich getan habe:

  • Ich habe angefangen, langsam und bewusst zu essen, alles gut zu kauen. Das hat schon viel verändert.
  • Ich habe beobachtet, wie mein Körper auf das Essen reagiert. War ich müde oder voller Energie? Und hab meine Lehren daraus gezogen.
  • Wenn ich mir nicht sicher war, ob ich etwas vertrage oder nicht, habe ich die Kinesiologin meines Vertrauens besucht. Das war immer wertvoll.
  • Wenn ich kein klares Gefühl mehr für mich hatte, war ein verdauungstechnischer Frühjahrsputz das Beste, was ich tun konnte.

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