Ich weiß ja nicht, wie es dir geht, aber in den letzten Tagen und Wochen war wieder mal viel zu bearbeiten, was eigentlich schon bearbeitet war. Alte Muster und Glaubenssätze sind hie und da nochmal hochgekommen und haben gezwickt. Alte Denkgewohnheiten haben sich wieder eingeschlichen, alte Wunden gejuckt.

Das kommt vor. Und ist nicht weiter bedenklich.

Es gibt Themen, die wie Echos wiederkommen. Meistens kurz vor dem Einschlafen, im Bett. Immer leiser zwar sind sie zu hören, immer leichter zu lösen, aber doch soviel, dass ich gerne hinschaue und wahrnehme. Das genügt dann auch meistens. Da muss ich dann gar nicht mehr viel machen, einfach nur schauen und wahrnehmen. Mache ich das nicht, spuken sie im Kopf herum und halten mich wach. Auch nicht gut.

Manche dieser Themen sind wie eine Zwiebel, durch die man sich Schicht um Schicht mit Pippi in den Augen zum Kern durcharbeiten muss.
Apropos Zwiebel: Wenn du gerne kochst, kennst du den Trick mit der Taucherbrille zum Zwiebelschneiden. Setzt du eine solche auf, kannst du Zwiebeln schneiden, soviel du willst. Die Augen bleiben trocken. Alles gut. So eine bräuchte man für die Gefühlszwiebeln!

Was wäre, wenn es so eine Brille gäbe? So eine, mit der man die Traurigkeit und den Schmerz ansehen, daraus lernen und vergeben kann, ohne darin verstrickt zu sein? Gibt es vielleicht einen Blickwinkel auf dein Leben, aus der diese unglaubliche Kraft im Hintergrund, die Liebe, sichtbar wird, aus dem du einen friedvollen Blick auf dich, dein Leben und deine Entscheidungen werfen kannst? Einen Blickwinkel, aus dem du deine Zwiebeln ansehen und annehmen kannst?

Ohne dir eine Erfahrung nehmen zu wollen, verrate ich dir ein Geheimnis: Das Herz in meinen Zwiebeln war fast immer die Selbstliebe. Oder der Mangel daran.

Fehlende Selbstliebe ist der Nährboden, auf dem viel Unkraut wächst. Aber es wäre ein Fehler, die Zwiebelschichten nicht anzusehen und gleich zum Herz durchzudringen. Denn es ist lehrreich und interessant, in welcher Form sich der Mangel an Selbstliebe bei dir zeigt! Wenn du weißt, wie er sich anfühlt und welches Gesicht er bei dir hat, kannst du rechtzeitig deinen leeren Selbstliebetank wieder auffüllen.

Es ist so, als würden alte Freunde, mit denen ich lange herumgehangen bin, wieder mal an die Tür klopfen. Na klar, lasse ich sie rein! Aber ich gehe nicht mehr auf ihre Geschichten ein, lasse mich nicht mehr emotional hineinziehen! Und darauf kommt es an.

Wenn diese Freunde dann gehen, verabschiede ich mich von ihnen. Denn ich weiß ganz sicher, dass sie irgendwann nicht mehr vorbeikommen und sich anschauen lassen. Ich weiß nur nicht, wann das sein wird. Vielleicht war es das ja schon.

Hab einen schönen Tag, ich freu mich immer über deine Rückmeldung!

Alles Liebe,

Wolfgang

 

Fotocredit: Edith Huber, Flickr (Foto unbearbeitet, jedoch zugeschnitten)

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