So individuell eine Krise auch ist, eine Veränderung erfahren alle, wirklich alle: Die Werte sind danach nicht mehr die selben. Und das ist ganz logisch, denn das alte Wertebild hat dich ja erst dorthin gebracht.

Wenn du ein Haus baust, wirst du wahrscheinlich damit anfangen, ein gutes, stabiles Fundament zu machen. Jeder weiß, dass Sand kein geeigneter Untergrund ist.

Angenommen, du hast das aber gemacht und es kommt, wie es kommen muss, das Haus bekommt Risse und ist irgendwann einsturzgefährdet. Was machst du? Abreißen und neu bauen. Dir bleibt gar nichts anderes übrig.

Einmal im Burnout, stellst du erst mal alles in Frage. Auch und vor allem, deine Werte. Denn dein Wertebild ist das Gleis, auf dem dein Zug fährt. Alle Entscheidungen, Reaktionen und Handlungen finden entlang dieses Gleises statt.

Hängst du immer noch im alten Denken drin, das dich nach Karriere, Macht und Geld streben lässt, und es steht dann die Entscheidung an, ob du lieber heimgehst und Sport machst (gut!) oder doch noch im Büro bleibst, obwohl du schon neun Stunden drin sitzt und du auch dann nicht mit der Arbeit fertig wirst, wenn du drei Tage am Stück arbeiten würdest (schlecht!), dann wirst du wahrscheinlich die Option wählen, die deinem Wertebild am ehesten entspricht. Folge: Der Job, die Karriere ist wichtiger als du selbst. Das ist der Anfang vom Ende.

Daher ist einer der wichtigsten Punkte im Vorfeld einer Krise dein Wertebild, deine Sicht auf die Welt. Es definiert, wer du bist und was du tust. Über die richtigen bzw. wichtigen Werte habe ich schon mal einen Blogbeitrag geschrieben, den findest du hier.

Wenn du ganz rational überlegst und dir die Varianten durch den Kopf gehen lässt, kommst du auf folgende Antwort:

Wenn du bei den Werten bleibst, läufst du Gefahr, auszubrennen. Das MUSS nicht sein, KANN aber. Wenn man bedenkt, dass wir heute ca. 2,4 Millionen Krankenstandstage in Österreich pro Jahr nur aufgrund psychischer Krankheiten (dazu zählt Burnout, Quelle: Leitfaden Burnout, WIFI) haben, wird klar, um welche Dimension es geht. Die Wahrscheinlichkeit, dass du nach dem Burnout den gleichen Job machst, ist statistisch gering (ca. 25%). Viele orientieren sich danach um und suchen ein Betätigungsfeld, das ihrem neuen Wesen entspricht. Das ist grundsätzlich nicht schlimm, denn in den allermeisten Fällen entwickeln Betroffene in der Folge ein gutes Gefühl dafür, was ihnen wichtig ist, und was nicht. Letztendlich führt das dorthin, wohin wohl jeder Mensch will: Ein glückliches, gesundes und freudvolles Leben zu führen. Es ist interessant, dass viele Ausgebrannte ihre Krise im Nachhinein als Geschenk wahrnehmen, der Grund liegt einfach in diesem veränderten Wertefundament und allem, was darauf gebaut ist.

Wenn du deine Werte vorher überdenkst, kommst du auch dorthin, aber mit weniger Aufwand, mit weniger Schmerz, mit weniger Leiden.

Wenn dein Job aufgrund deiner neuen Werte nicht mehr passt oder du in deinen Job nicht mehr passt, dann kannst du dir einen neuen, passenden suchen.

Wenn du aber ausgebrannt bist, was passiert dann? Welche Optionen stehen dir zur Verfügung? Soviel will ich verraten: Weit weniger. Weil du handlungsunfähig bist.

Wäre es nicht sinnvoll und intelligent, Achtsamkeit in Bezug auf deine Werte zu leben, bevor es zum Niederbruch kommt? Wäre es nicht klug, das Fundament zu verstärken und an dein Traumhaus anzupassen, bevor die Risse da sind und der Abbruch unausweichlich ist?

Ich weiß schon, dass Karriere, Geld und Macht wahnsinnig große Verlockungen sind. Kein Wunder, sie sprechen auch direkt das Belohnungszentrum im Gehirn an. Das heißt, es gibt ganz rational chemische Prozesse, die ablaufen, wenn du im Job aufsteigst, mehr Geld verdienst oder du in die Führungsebene aufsteigst. Aber das ist ein Glücksspiel.

Die Veränderung besteht darin, die Belohnung, die wir alle brauchen, sich woanders zu holen. Und das geht.

Bitte versteh mich richtig: Macht ist ok, wenn du als Erstes die Macht über dich selbst zum Grundpfeiler machst.

Eine Krise bedeutet IMMER Veränderung. Und Veränderung beginnt IMMER bei dir selbst.

Vielleicht hast du mal Zeit, um deine aktuellen Werte aufzuschreiben. Fünf Punkte, die dir heute wichtig sind. Dann lies mal den Artikel durch und mach die Liste noch einmal.

Und dann vergleiche.

Vielleicht sind diese beiden deckungsgleich. Vielleicht aber auch nicht. Dann hast du einen guten Ansatzpunkt, deine Gleise noch heute ein stück weit umzulegen.

 

Du wirst erstaunt sein, wie gut sich das anfühlt.

Hab einen schönen Tag und alles Liebe,

Wolfgang

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