In meinem letzten Brief (hier ist der Link dorthin) an dich habe ich dir 15 gute Tipps gegeben, wie auch du garantiert in dein Burnout kommst. Dabei wären die gar nicht notwendig, denn das geht eigentlich ganz von selbst. Aber wie du sicher mitbekommen hast, waren diese Tipps auch nicht allzu ernst gemeint.

Tatsächlich ist es noch viel einfacher, ins Burnout zu rutschen.

Wenn das so ist, dann lautet die spannende Frage doch:

Hätte ich das Burnout verhindern können?

 

Die kurze und ehrliche Antwort lautet:

Ja.

 

Um das hinzubekommen, sind allerdings zwei Dinge notwendig:

 

1.) Ich hätte ein Gefühl dafür haben müssen, wie hoch der Preis ist, den ich dafür bezahle.

Wenn ich das nicht weiß, entwickle ich auch keine Motivation, etwas dagegen zu tun. Vor meiner ersten Krise hatte ich keine Vorstellung davon, wie sehr mich meine Überlastung in die Knie zwingen würde. Ich konnte mir nicht ausmalen, wie stark mein Körper, mein Geist und meine Seele darauf reagieren und mit welcher Brutalität und Konsequenz meine Lebensqualität darunter leiden würde. Damals kannte ich keinen Menschen, der etwas ähnliches erfahren hatte, ich konnte niemanden fragen, wie das ist, wie es sich anfühlt oder was das in seinem Leben verändert hatte.

Kurz: Mir fehlte die persönliche Erfahrung eines Betroffenen, die Verbindung der Krise mit einem Schicksal, mit einem Gesicht. Keine tausend Artikel darüber hätten mir die Augen öffnen können. Die Überzeugung, dass mir das doch nicht passieren könnte, wäre viel zu stark gewesen.

 

2.) Ich müsste die Zeichen erkennen können und wissen, wie ich gegensteuern kann.

Eigentlich sind das zwei Themen, aber sie hängen eng zusammen.

Betroffene berichten über Monate und Jahre, in denen schon Zeichen sichtbar wurden, die man aber erst im Nachhinein zuordnen konnte. Überraschend ist nur der Zusammenbruch. Dann aber wirklich.

Hätte ich damals diese Zeichen lesen können und gewusst, wie sie zu deuten sind, es wäre mit einem Bruchteil der Energie möglich gewesen, gegenzulenken.

 

Hätte, hätte, Fahrradkette.

Deshalb werden sich meine nächsten Beiträge um genau diese zwei Fragen drehen. Weil die Antworten darauf etwas verändern können. Zumindest hoffe ich das. Ich werde dich mitnehmen auf eine Reise in meine Vergangenheit, werde mich öffnen und dich in meine Seele schauen lassen. Ich möchte, dass du ein Gefühl dafür bekommst, wie es sich anfühlt, mittendrin zu sein, in der Hoffnung, dass du daraus die Motivation beziehen kannst, achtsam zu sein. Und ich werde dir sowohl aus wissenschaftlicher Sicht, wie auch aus meinem ganz persönlichen Blickwinkel erzählen, worauf du achten musst und was du tun kannst, um dein Leben nicht an die Wand zu fahren.

Vielleicht möchtest du ein kleines bisschen mithelfen, ein Bewusstsein dafür zu schaffen. Vielleicht kennst du Menschen, die genau an dem Punkt im Leben stehen und nicht wissen, wie hoch der Preis für ein Burnout ist oder wie sie ihren Kurs ändern können.

Schick ihnen doch diesen Newsletter oder erzähle ihnen von diesem Blog.

Vielleicht passiert ja noch ein Weihnachtswunder und wir helfen damit einem Mitmenschen, rechtzeitig innezuhalten und nachzudenken.

Wenn uns das gelänge, hätte sich mein Aufwand schon gelohnt.

In diesem Sinne, bis bald und

alles Liebe

 

Wolfgang

 

Foto: flickr.com | Juan Antonio Capo Alonso | Link

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