die Narrenzeit ist wieder vorüber, traditionell ist jetzt fasten angesagt. Nach den Völlereien der vergangenen 2 Monate (Weihnachten, Silvester, Fasching) liegt der Reiz für die nächsten 40 (oder nur mehr 38) Tage im Verzicht.

Schade.

Es wäre doch cool, wenn es genau umgekehrt wäre. Wenn wir 325 Tage im Jahr unsere Ansprüche und Wünsche etwas reduzieren würden und dafür 40 Tage über die Schnur hauen. So wie es cool wäre, wenn wir nicht Bio-Lebensmittel kennzeichnen würden, sondern all die anderen, industriell hergestellten Nahrungsmittel.

Doch das wäre eine völlige Umkehr unseres Blicks auf die Welt. Und Umkehr bedeutet Veränderung und Veränderung geht nicht schmerzfrei über die Bühne. Veränderung liegt außerhalb unserer Komfortzone.

Genau das ist aber notwendig, wenn man eine Krise hinter sich lassen möchte.

An jenem Tag, den ich im dritten Teil meiner Burnout-Reise beschrieben habe, hat es klick gemacht. Ich habe verstanden, dass ich vom Medizin-Konsumenten zum Gesundheits-Schöpfer werden muss, um mein Leben wieder in den Griff zu bekommen.

Deshalb war der erste wichtige Schritt auf diesem Weg, mir meine bescheidene Situation einzugestehen und sie anzunehmen. Annehmen heißt, beim Gedanken an den Status Quo nicht in Schuldzuweisungen oder abgrundtiefe Traurigkeit zu verfallen, sondern möglichst emotionsfrei auf Verstandesebene die Fragen zu ändern, die ich mir stelle.

Von „Wer ist schuld an meiner Katastrophe“ hin zu „Wie komme ich da wieder raus?“.
Von „Ich habs verkackt, versemmelt, bin zu schwach, zu dumm, zu emotional, zu was auch immer.“ hin zu „Ich habs in der Hand, ich packe das!“.

Und da habe ich im Außen noch rein gar nichts verändert. Nur den Blickwinkel darauf. Der Unterschied ist, dass ich mich ab dem Zeitpunkt bewegen konnte. Sprich, ich hatte Kraft, um erste, kleine Veränderungen vorzunehmen.
Eine kleine Atemmeditation war einer der ersten Schlüssel. Damit konnte ich ein wenig Luft ins Gehirn pusten und meine geistige Beweglichkeit zumindest zeitweise wiederherstellen.

Was dann passierte, kannst du in meinem Blog nachlesen.

Es hat nicht lange gedauert, bis sich die körperlichen Beschwerden gebessert hatten. Alleine schon die Veränderung meines Blickwinkels hat bewirkt, dass Ärger und Wut viel weniger in mir tobten, in Folge besserte sich die Gastritis.

Ich entwickelte Methoden und etablierte Gewohnheiten, mit denen ich die Gedankenloops besser durchbrechen konnte. Entspannung und Innenschau wurden Fixposten auf meiner Tagesagenda.

Und natürlich habe ich mich auch den existentiellen Themen wie Job, Wohnung, etc. gestellt und sie gelöst.

Veränderung im Innen wie im Außen.

Wenn ich so zurückschaue, würde ich sagen, dass es etwa 1 Jahr gedauert hat, bis meine körperlichen Symptome auf ein unauffälliges Maß gesunken und etwa weitere 2 Jahre, bis auch die emotionalen Narben verheilt waren.

Die gute Nachricht ist, dass Beschwerden und Symptome weder dauerhaft noch irreversibel sind. Wenn man eine Krise zu nutzen versteht, kann man nur gewinnen.

Die Straße zur Gesundheit war aber keine Autobahn. Eher eine von Baustellen, Umleitungen und Sackgassen geprägte kleine Bergstraße. Reizvoll, wenn man mit dem Motorrad unterwegs gewesen wäre. Doch ich kam mit einem Auflieger voller schmerzhafter Erfahrungen daher.

Bei engen Kurven musste ich reversieren, es war mir unmöglich, sie in einem Zug zu durchfahren. Immer wieder hatte ich mit Rückschlägen zu kämpfen und wahrscheinlich wird auch dir das passieren.

Vielleicht kennst du das:
Das, was du probiert hast, funktioniert nicht für dich.
Dir fehlt an manchen Tagen einfach die Disziplin oder die Kraft, dein neues Programm durchzuziehen.
Das Wetter spielt nicht mit bei deinen Outdoor-Plänen.

Es gibt tausend Stolpersteine auf diesem Weg. Die Kunst, sich nicht wieder selbst fertigzumachen, will erlernt werden. Vom Philosophieren und Nachdenken werden wir zwar reich an Ideen, aber nie an Erfahrungen. Im Gehen entsteht der Weg. Und kein Tag ist wie der andere.

Also geh. Der Weg ist das Ziel. Umwege sind nur Gelegenheiten für Sichtweisen, die du sonst nie gefunden hättest. Niemand ist perfekt. Rückschläge sind völlig normal und gehören dazu. Sie zeigen dir, was nicht funktioniert, und das ist unglaublich wertvoll.

Generell bin ich eher der Typ learning by doing. Man kann sich im Kopf noch so viel zusammenreimen, irgendwann sollte man die PS auf die Straße bringen.

Das heißt auch: Keine Angst vor Fehlern zu haben.

Aber mehr darüber in einem meiner nächsten Briefe.

Alles Liebe,
Wolfgang

P.S.: Wie immer freue ich mich über dein Feedback! Vielleicht findest du eine Minute Zeit, um mir deine Meinung zu sagen? Danke dafür!


P.P.S.: Die Rubrik „Du bist nicht allein“ auf meinem Blog wird erweitert! In der nächsten Zeit stelle ich dir Menschen vor, die ihre Krise ebenso überwunden haben, wie ich. Einige haben mich schon erreicht und ich hoffe, es werden noch mehr! Lass uns das Tabu brechen, lass uns drüber reden! Wenn auch die deine Geschichte erzählen möchtest, schick mir bitte eine E-Mail!

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