ist es nicht erschreckend, wie schnell die Zeit vergeht? Seit meinem letzten Brief an dich sind einige Wochen ins Land gezogen und es kommt mir vor, als wär’s erst ein paar Tage her.

Das liegt wohl daran, dass vor gerade mal einer Woche ein kleiner Engel namens Ina Sophie sich dazu entschlossen hat, unsere Familie zu bereichern. Sie hat sich einen besonderen Zeitpunkt ausgesucht: Pfingstsonntag, die Sonne schien durchs gekippte Fenster, auf einer fast leeren Geburtenstation mit Blick ins Grüne. Besser geht’s nicht.

Dass dann auch noch aus der Ferne eine Blasmusikkapelle für uns spielte (bilden wir uns ein), fand ich fast schon ein wenig romantisch.

Seit letzten Donnerstag sind wir zu Hause wieder komplett. Eingewöhnung.

Wo vorher Rhythmus und Platz für jeden war, kreist jetzt alles um einen Punkt.

Der eingespielte Tagesablauf, die angenehme und stressfreie Routine ist einer permanenten Offen-sein-für-das-was-kommt-Stimmung gewichen.

Wir haben ein neues Kapitel in unserem Leben aufgeschlagen. Eine neue Seite, blütenweiß. Bald schon werden wir darin das erste Lächeln unseres kleinen Engels finden, das erste Gebrabbel und die wunderschönen Momente, wenn wir alle gemeinsam kuscheln und dösen. Aber auch Kotzflecken, die nur mit der Schere wieder herausgehen, Überforderung bis an unsere Grenzen und Schlafmangel. Das gehört dazu. So ist das Leben.

Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne.

Es muss ja nicht immer gleich ein Kind sein, der gleiche Zauber glitzert in einem neuen Job, einer neuen Beziehung, einer neuen Gewohnheit.

Ich erinnere mich noch gut an das Gefühl, das ich bei jedem neuen Job hatte. Ein neues Umfeld, neue Kollegen, neue Begegnungen, neue Herausforderungen. Ein neues Kapitel in meinem Lebensbuch, eine neue Seite. Eine neue Chance.

Ein weißes Blatt Papier gibt mir Kraft, lässt mir Platz für neue Ideen, neue Möglichkeiten. Ich sehe die spannende Herausforderung deutlicher als den hohen Energiebedarf, das Risiko zu scheitern oder mein möglicherweise beschädigtes Image.

„Es ist besser, eine neue Idee auszuprobieren, als eine alte zu perfektionieren, von der man weiß, dass sie nicht funktioniert.“ (leicht abgewandeltes Punk-Sprichwort)

Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne.

Wie geht es dir damit? Tust du dir leicht, Altes hinter dir zu lassen und dich auf neue Wege zu begeben? Stresst dich die Vorstellung, dass du die geliebten Gewohnheiten aufgeben müsstest, um deinen neuen Job / deine neue Beziehung / deine neue was-auch-immer zu leben?

Wenn du in Gedanken auf dein weißes Blatt Papier schaust und in dich reinspürst, was kommt da hoch? Die freudige Aufregung über das, was jetzt besser werden darf oder hängst du sofort in den Risiken und Zweifeln fest?

Der Punkt ist nämlich, dass deine Erfahrung der Realität von deinem Glaubensrahmen abhängt. Manche Menschen haben alleine schon mit der Vorstellung darüber, dass etwas Besseres, Schöneres, Größeres nachkommen könnte, ein Problem. Deshalb ist der erste und wichtigste Punkt: Du musst es dir vorstellen können und du musst es in deinem Werterahmen zulassen, das heißt, du musst daran glauben und es für möglich halten.

Du bist der Schöpfer in deinem Leben. Das warst du immer schon und wirst du auch immer bleiben. Ob es dir passt, oder nicht. Ob du den Job unbewusst machst, oder ganz bewusst.

 

Ein kluger Mann hat einmal gesagt: Pass auf, was du dir wünschst. Es könnte in Erfüllung gehen.

 

Bis bald,

alles Liebe,

Wolfgang