Wir sind süchtig nach mehr. Und das ist kein Wunder. In unserer kapitalistischen Spaßgesellschaft ist das die Triebfeder für alles. Sagen sie uns. Wir brauchen mehr Umsatz, mehr Gewinn, mehr Spaß, mehr von Dingen, die wir nach kurzer Zeit meist schon wieder entsorgen.

Dabei vergessen wir, dass wir damit auch mehr Verlangen statt Zufriedenheit generieren, mehr Ressourcen verbrauchen (Zeit, Geld, Rohstoffe, Nerven) als wir eigentlich zur Verfügung haben und damit ständig Raubbau betreiben. An uns, an unserem blauen Planeten und an der Zukunft unserer Kinder.

Ich will jetzt gar nicht gegen diese (Un)Kultur wettern, sondern deine Aufmerksamkeit auf etwas ganz Anderes legen. Im Grund ist an dieser Getriebenheit nur eines schuld:

Unser Belohnungszentrum im Gehirn.

Denn das schüttet eine Unmenge an Glückshormonen aus, wenn der hundertste Stofffetzen im Kasten hängt, der Lohnzettel wieder fetter geworden ist und endlich in jedem Raum ein Fernseher steht. Und wo mal Glückshormone waren, wollen immer mehr sein. Sie sind der Anfang jeder Sucht. Im Grunde sind wir also süchtig nach Hormonen, nicht nach Dingen oder Erlebnissen, auch, wenn uns das unsere Instagram und Facebook-Timeline immer wieder weismachen will.

Das Verrückte daran ist, dass sich das ganz ganz schnell ändern kann. Nämlich dann, wenn sich die Prioritäten verschieben. Und dafür sind Krisen das größte Drehmoment.

Egal, ob du in einem Burnout aufwachst oder einen Unfall hast oder eine andere, lebensverändernde Situation erlebst. Deine Sichtweise ist von einer Minute auf die andere nicht mehr die selbe. Und auf einmal schüttet dein Gehirn auch keine Glückshormone mehr aus, wenn du vor dem Juwelierladen stehst. Die Kleider im Schrank sind plötzlich bedeutungslos, die Fernseher willst du dann gleich auf Ebay stellen und der Job hängt auch in der Luft.

Glück und Freude werden dann anders definiert. Und dein Gehirn checkt das. Vielleicht sogar schneller als du. Aus eigener Erfahrung und aus vielen Gesprächen weiß ich, dass in einer solchen Situation der Betroffene im ersten Moment noch dem nachtrauert, was sodann unerreichbar ist. Bei vielen dauert es eine Weile, manchmal kürzer, manchmal länger, bis man den neuen Zustand akzeptieren kann.

Das Glück ist ein Vogerl, sagt man.

Ich sehe das nicht so. Ich denke, Glück ist eine Frage des Standpunktes. Manchmal steht einfach diese Wand aus falschen Erwartungen, unerfüllten Hoffnungen und eingeredeten Bedürfnissen zwischen uns und ihm.

Manchmal ist der Nebel, den die Marketingmaschinerie ausspuckt und die Gesellschaft uns einredet, einfach zu dicht, um es sehen zu können. Doch das Glück ist immer da.

Da braucht es dann etwas Wind, der den Nebel vertreibt oder Sonne, die ihn auflöst.

Wir sollten vielleicht einfach öfter mal aufs Meer schauen, statt auf das Mehr.

Innehalten. Ins Weite schauen. Perspektiven erkennen und neue Ziele.

 

Alles Liebe

Wolfgang

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