Burnout ist eine psychische Erkrankung und verläuft in mehreren Phasen. Es beginnt meist mit unauffälligen Symptomen und kann in der völligen Arbeitsunfähigkeit oder gar im Suizid enden. Du siehst, ein breites Portfolio an Möglichkeiten.

Herbert Freudenberger und seine Kollegin Gail North haben schon 1974 12 Phasen des Burnout identifiziert:

  1. Drang, sich selbst und anderen Personen etwas beweisen zu wollen
  2. Extremes Leistungsstreben, um besonders hohe Erwartungen erfüllen zu können
  3. Überarbeitung mit Vernachlässigung persönlicher Bedürfnisse und sozialer Kontakte
  4. Überspielen oder Übergehen innerer Probleme und Konflikte
  5. Zweifel am eigenen Wertesystem sowie an ehemals wichtigen Dingen wie Hobbys und Freunden
  6. Verleugnung entstehender Probleme, Absinken der Toleranzgrenze
  7. Rückzug und dabei Meidung sozialer Kontakte bis auf ein Minimum
  8. Offensichtliche Verhaltensänderungen, fortschreitendes Gefühl der Wertlosigkeit, zunehmende Ängstlichkeit
  9. Depersonalisierung durch Kontaktverlust zu sich selbst und zu anderen Personen; das Leben verläuft zunehmend funktional und mechanistisch
  10. Innere Leere und verzweifelte Versuche, diese Gefühle durch Überreaktionen zu überspielen wie beispielsweise durch Sexualität, Essgewohnheiten, Alkohol und andere Drogen
  11. Depression mit Symptomen wie Gleichgültigkeit, Hoffnungslosigkeit, Erschöpfung und Perspektivlosigkeit
  12. Erste Gedanken an einen Suizid als Ausweg aus dieser Situation; akute Gefahr eines mentalen und physischen Zusammenbruchs

(Quelle: Wikipedia)

Diese müssen nicht unbedingt in der Reihenfolge vorkommen, sondern verstehen sich eher als Index.

Interpretation und Tipps

Der Einfachheit halber teile ich die 12 Phasen in Viertel auf. Eine sehr aufschlussreiche Broschüre zum Thema Burnout habe ich auf der Webseite der WKO gefunden, hier findest du den Link dorthin. Darin findest du noch mehr Interpretationen und Fallbeispiele, wie sich ein Burnout entwickeln kann.

Stufen 1 bis 3:

Vor dem Zwang, sich beweisen zu wollen, steht die Freude. Wer will sich nicht beweisen, das Projekt termingerecht fertigstellen, die gestellte Aufgabe fristgerecht abarbeiten? Der Druck vom Chef addiert sich zum Druck, den du dir selbst machst. Durchbeissen ist angesagt. Mit der Dauer der Anspannung steckst du deine Bedürfnisse in die Schublade, Mantren wie „Da muss ich halt durch“ und „Es geht nicht anders“ kreisen dir im Kopf herum, obwohl dein Bedarf nach Entspannung fast überwältigend ist. Den Kegelabend lässt du sausen, ebenso wie den Sport. Abends bist du nur noch gerädert und sofern du bald ins Bett kommst, hältst du das auch eine Weile durch.

Wer kennt das nicht, hat das noch nicht erlebt? Klar ist man bereit, für eine gewisse Zeit mehr zu geben, als man eigentlich zu geben imstande ist. Der springende Punkt hierbei ist die Dauer.

Mein Tipp:

Die Dosis macht das Gift. Wer hier die Balance wiederfindet, hat sehr gute Chancen, vor der nächsten Phase aus dem Burnout wieder abzubiegen.

Versuche, täglich eine halbe Stunde bewusste Entspannung in deinen Tagesablauf einzubauen.

Mentale Entspannung ist dabei ebenso wichtig wie körperliche Entspannung. Wenn du viel Stress hast, lege ich dir ein wenig Sport ans Herz. Im Stress wird Adrenalin ausgeschüttet, das schon durch eine halbe Stunde Spazierengehen abgebaut wird.

Stufen 4 bis 6:

In diesen Stufen entscheidet sich, ob sich dein Burnout manifestiert, oder nicht. Hier entscheidet sich, ob du den Weg des Mit-dir-Verbundenseins gehst, oder ob du dich von dir entfremdest. Du beginnst, Konflikte zu verleugnen und emotionale Knoten zu ignorieren, bist chronisch müde und fängst an, Ersatzbefriedigungen zu suchen (Essen, Rauchen, shopping). Deine sozialen Kontakte sind dir nicht mehr so wichtig, du verhärtest innerlich immer mehr und bist verwirrt. Und die Spirale wird immer enger. Du wirst zynisch und intolerant, obwohl du das normalerweise nicht bist.

Du bemerkst langsam eine Veränderung, nimmst sie aber noch nicht so tragisch und ernst. Es fühlt sich vielleicht an, wie eine schlechte Phase, eine Reihe von miesen Tagen am Stück.

Mein Tipp:

Langsam beginnt der Punkt der Eigenverantwortung wichtig zu werden. Es liegt an dir, wie es weitergeht.

Die tägliche kleine Entspannungsinsel sollte jetzt schon Teil deines Alltags sein. Den Geist beruhigen, Emotionen achtsam wahrnehmen. Das wär jetzt wichtig.

Frage dich bei Gelegenheit, was dir wirklich wichtig im Leben ist. In dieser Phase ist es wichtig, ein Gefühl dafür zu bekommen, wie hoch der Preis ist, wenn du jetzt nichts unternimmst. Daraus entwickelst du das Drehmoment für deine Veränderungen.

Was ich dir noch ans Herz lege:

Wenn die dunklen Gedankenloops immer schwerer zu druchbrechen sind, hat mir Yoga immer sehr geholfen. So wie sich eine starre (unbewegliche) mentale Haltung irgendwann auch auf der körperlichen Ebene zeigt, so kannst du, wenn du deinen Körper dehnst, auch deinen Geist mitdehnen. Alles hängt zusammen. Wenn du auf einer Ebene nicht weiterkommst, mach auf einer anderen weiter!

Veränderung ist auch Gewohnheit. Verändere kleine Dinge in deinem Leben nachhaltig. Vielleicht ist es ein guter Zeitpunkt, um deine Ernährung zu überdenken oder andere Dinge in deinem Leben zu ordnen.

Achtsamkeit ist wichtig. Was beschäftigt dich? Was hat dich verletzt? Oder wo kommst du nicht weiter? Die Blickwinkel auf belastende Themen zu ändern ist ein guter erster Schritt für nachhaltige Veränderungen im Außen.

Stufen 7 bis 9:

Rückzug wird zur Strategie. Du wirst von Tag zu Tag eigenbrötlerischer, empfindest immer weniger Emotionen bis hin zur Fühllosigkeit und greifst zu den falschen Fluchtmechanismen wie Fernseher, Alkohol und den Tabletten, die du gerade noch zu Hause hast. Immer öfter erfindest du Ausreden, nicht rausgehen zu müssen und machst dich rar. Obwohl du die ersten Symptome auf der körperlichen Ebene wahrnimmst, ignorierst du sie und redest dir ein, dass was von selbst kommt, auch von selbst wieder geht. Nur, die Beschwerden kommen nicht von selbst. Die sind auf deinem Mist gewachsen. Du fühlst dich immer mehr wie eine Maschine, bist am funktionieren und kaum noch am leben.

Mein Tipp:

Wenn sich Symptome auf der körperlichen Ebene zeigen (länger anhaltende Schlaflosigkeit, Magenprobleme, etc.), besuch mal deinen Hausarzt und erzähl ihm von deiner Situation.

Bewegung und Entspannung sind jetzt besonders wichtig. Ein Spaziergang ist immer eine gute Inspirationsquelle für neue Ansätze, neue Gedanken und neue Perspektiven. Eine halbe Stunde Innenschau und Ruhe kann deinen Energietank wieder auffüllen.

Frage dich selbst, welches Thema, welche Situation dich belastet. Denk mal die Sache durch: Wo führt es hin, wenn du nichts änderst? Welche Alternativen kannst du jetzt sehen? Was ist dir wichtig?

Mein persönlicher Spezialtipp: Lass den Fernseher am Abend ausgeschaltet und nimm wieder mal ein Buch zur Hand. Es gibt eine Reihe von guten Büchern, die dich auf andere Gedanken bringen und dir helfen, deine Situation aus einem anderen Blickwinkel zu sehen.

Sei dir klar darüber, dass es jetzt höchste Zeit ist, dem Burnout auszuweichen. Und das kannst nur du allein.

Stufen 10 bis 12:

Immer deutlicher fühlst du die Leere in dir, Panikattacken oder Phobien treten auf, dein Fluchtreflex ist jetzt besonders ausgeprägt. Vielleicht hast du Alkohol, Drogen oder Sex als Sucht und Flucht entdeckt (glaub mir, das mit dem Sex ist bald vorbei. Die Libido wird sich in Luft auflösen.). Tiefe Verzweiflung und Erschöpfung machen sich breit, du siehst keinen Ausweg und möchtest nur noch schlafen. Irgendwann fängst du an, dich selbst zu hassen und denkst zum ersten Mal an Selbstmord als Lösung deiner Probleme. Dein Immunsystem bricht zusammen, du bist ständig krank oder kränklich. Und dann kommt der Tag, auf den du so lange hingearbeitet hast: Der Tag deines Zusammenbruchs.

Mein Tipp:

Alarmstufe Rot! Mach dich bitte augenblicklich auf zu deinem Arzt! Er wird wissen, was jetzt zu tun ist! Deine Selbstregulierungsmaßnahmen haben versagt – sofern du überhaupt Gegenmaßnahmen ergriffen hast.

Ob du es willst, oder nicht, du wirst dein Leben ändern müssen. Und zwar nachhaltig. Denn deine Einstellungen, Blickwinkel, Werte, Konflikte und Gedanken haben dich in diese Situation gebracht. Nicht dein Job, deine Beziehung oder was auch immer. Vielleicht hast du das Gefühl, dass du keine Wahl hast, doch das ist ein Irrglaube. Du hast immer die Wahl. Oft können wir aber die Optionen nicht sehen. Ein gutes Gespräch mit einem Freund hilft Wunder. Sich zu öffnen und seine Gefühle zum Ausdruck zu bringen, ist eine sehr heilsame Erfahrung.

Die dunklen Gedanken und Gefühle sind jetzt vielleicht ständig in dir. Mach dir klar, dass das nicht du bist. Es ist diese unglaubliche Dynamik und Kraft einer (beginnenden) Depression, die dich so nach unten ziehen. Du bist damit nicht allein und auch nicht der oder die Erste, der oder die das erlebt. Die Schulmedizin kann dir Luft verschaffen, doch es liegt an dir, deine Ursachen dafür zu finden und auch abzustellen. Inspirationen dafür findest du in meinem Blog.

Achtsamkeit ist einer der wichtigsten Bestandteile in jeder Burnout Therapie. Sich selbst wieder zu spüren, wieder zu wissen, was man will, was einem Freude macht, was wichtig ist und was nicht, sind wesentliche Erkenntnisse auf dem Weg heraus.

Ich bin ein Fan der ganzheitlichen Sichtweise. Wir sind eine Einheit aus Körper, Geist und Seele. Gesundheit ist die natürliche Folge der Harmonie auf allen drei Ebenen. Krankheit ist Ausdruck einer Disbalance, die längere Zeit wirksam war oder noch ist. Für eine Genesung ist es meiner Meinung nach zielführend, wenn du auf allen drei Ebenen Maßnahmen setzt, um wieder in deine Harmonie zu kommen. Die Ernährung spielt dabei eine wichtige Rolle, genauso wie Bewegung und Innenschau. Kannst du mit den Begriffen Mentalhygiene und Emotionalhygiene etwas anfangen? Die Knoten in deinem Kopf und in deinem Herzen sind die eigentliche Ursache für dein Dilemma. Schau mal hin und nimm einfach nur wahr! Auch dafür findest du in meinem Blog einige Artikel …

Pass auf dich auf! Das Leben ist so wunderschön, einzig der Blick darauf ist dir momentan verwehrt! Du hast die Chance, dein Leben großartiger, besser, liebevoller, gesünder und freudvoller zu gestalten, als du es dir je vorstellen konntest! Werde jetzt zum Schöpfer deines Lebens!

Anmerkungen:

Neben dem zum Thema gehörenden Wikipedia-Artikel habe ich mich auch von der Broschüre „Burn on statt Burn out“ aus der Schriftenreihe des Wirtschaftsförderungsinstituts Nr. 347 inspirieren lassen.

Sollte dir noch der eine oder andere Tipp fehlen, von dem du überzeugt bist, dass er helfen könnte, lass es mich bitte wissen! Ich bin weder perfekt noch allwissend …